imNeuland

Bürger/innen, Staat und Netz

Wir brechen auf ins Neuland, eine Welt, in der neue Technologien neuen Leuten neue Macht verleihen. Was «Civic Technology» uns allen bringt, wohin sich die Beziehung zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Staat in einer zunehmend digitalen Gesellschaft entwickelt: Wir besprechen es mit jenen, die das Neuland schon heute gestalten.
Freitag, 3. Juni, 15-18.15 Uhr; Samstag, 4. Juni 2016, 10–17 Uhr, an der EB Zürich.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Informatiktage Zürich 2016

Referierende

Joshua Goldstein

Als Leiter des «Department of Better Technology» ist Joshua Goldstein nicht Chefbeamter, sondern Startup-CEO: Mit einem kleinen Team arbeitet er in San Francisco und in Washington an Produkten, die digitale Bürgerdienste nicht nur auf dem neusten Stand der Technik bringen, sondern sie auch in Sachen Effizienz und Einfachheit auf das Niveau des Silicon Valley hieven. Mit seinen vorherigen Engagements bei der Weltbank und bei Unicef steht Goldstein für einen neuen Typ von IT-Spezialisten, die mehr Sinn darin sehen, die Dienste der öffentlichen Hand weiterzubringen, als bloss etwa darin, noch mehr Werbung zu verkaufen.


Min Li Marti

Als Parlamentarierin, Verlegerin und Kolumnistin engagiert sich Min Li Marti für soziale Gerechtigkeit. Das Internet und neue Technologien sind dabei nicht nur entscheidend wichtige Werkzeuge, sondern immer auch selbst Gegenstand der Politik: So wie die Technik alle Lebensbereiche mehr und mehr durchdringt, wird deren nachhaltige und demokratische Ausgestaltung zu einem immer gewichtigeren politischen Schauplatz. In den nächsten Jahre werden nach Marti die Konsequenzen künstlicher Intelligenz mehr und mehr zu reden geben und die Arbeitswelt grundsätzlich verändern – ein weiteres «Neuland», in dem es vorausschauend zu navigieren gilt.


Daniel Graf

Daniel Graf ist Campaigner, Aktivist und die treibende Kraft hinter wecollect.ch, der Plattform für rechtsgültiges Unterschriftensammeln für Referenden und Initiativen über das Internet. Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben sich zum Ziel gesetzt, eine immer grösser werdende Lücke zu schliessen: jene zwischen dem Alltag, der zunehmend im Netz stattfindet, und der demokratischen Mitbestimmung, die bis anhin nur offline, also ohne Computer und Smartphone, funktioniert. Was geschieht, wenn die direkte Demokratie digital wird? Wird sie besser und schneller? Oder bloss billiger und beliebiger? Oder verschieben sich mit der Wahl der Werkzeuge gar Machtverhältnisse?


Johannes Gees

Mit der Crowdfunding-Plattform wemakeit.com brachte Johannes Gees vor einigen Jahren ein neues, mächtiges Mittel in die Schweizer Kultur- und Politcommunity: einfach von vielen Leuten kleine Beträge für ein gemeinsames Ziel zu sammeln, statt für grosse Ideen auf die Spenden grosser Gönner zu hoffen. Während die Plattform rasant weiterwächst, werden dank ihr viele Bürgerprojekte finanziert, die durch staatliche Förderung nie zustande gekommen wären. Es werden aber auch politische Kampagnen, Wahlkämpfe und andere Aktionen unterstützt. So wird neuen Leuten und neuen Anliegen neue grosse Hebel verliehen.


Alice Kohli

Alice Kohli nutzt als Datenrechercheurin alle Mittel der Technik, um dem Weltgeschehen auf die Spur zu kommen. Bis vor kurzem als Datenjournalistin bei der Neuen Zürcher Zeitung, setzt sie heute ihre Fähigkeiten bei Public Eye (vormals Erklärung von Bern) ein, einem Verein, der sich seit vierzig Jahren für gerechtere Beziehungen zwischen der Schweiz und von der Globalisierung benachteiligten Ländern einsetzt. Zu ihren Kernanliegen gehören die weltweite Wahrung der Menschenrechte, sozial und ökologisch verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen sowie die Förderung fairer Wirtschaftsbeziehungen. Was kann Informatik, was können Daten dazu beitragen?


Wolfgang Gründinger

Wolfgang Gründinger ist Zukunftslobbyist. Er ist Sprecher der Stiftung «Generationengerechtigkeit», leitet das Forum «Digitale Transformation» beim deutschen Bundesverband «Digitale Wirtschaft» und ist Mitglied im Vorstand des SPD-Forums «Netzpolitik». Als Experte und Autor («Alte Säcke Politik», «Meine kleine Volkspartei») beschäftigen ihn die grossen, langfristigen Veränderungen der digitalen Gesellschaft: Was wird aus der Arbeit, der Bildung, den Renten? Was ist «enkeltaugliche» Technologie? Und was ist zu tun, damit technischer Fortschritt nicht gesellschaftlichen Rückschritt bringt?


Danny Buerkli

Als Programmdirektor des gemeinnützigen Centre for Public Impact arbeitet Danny Buerkli mit Regierungen und öffentlichen Institutionen weltweit um deren Wirksamkeit zu stärken. Ihn treibt die Frage um, wie Staaten, Regierungen und öffentliche Verwaltungen ihren Bürgern besser dienen können. Evidenz- und datenbasierte Methoden, Verhaltenswissenschaften oder Design versprechen neue Wege für eine bescheidenere, agilere und effektivere Politikgestaltung. Danny interessiert welche Chancen sich dadurch bieten, wie wir mit den unvermeidlichen Problemen umgehen können und wie sich der Charakter staatlichen Handelns verändert.

Stefan Oderbolz

Stefan Oderbolz ist ein Programmierer, der nur manchmal programmiert, was ein Pflichtenheft im vorgibt. Als "Civic Hacker" arbeitet er daran, mit den Mitteln der Technik die Welt besser zu verstehen und, Codezeile für Codezeile, sie ein kleines Stück besser zu machen. Mit seinem preisgekrönten Mobile-Game Kort beispielsweise verbessern Gamer spielerisch die Onlinekarten von OpenStreetMap, und als Open Data Aktivist macht er immer wieder Daten der öffentlichen Hand ungefragt öffentlich zugänglich — wie etwa den Zürcher Abfallkalender — und ermöglicht es so Gestaltern, Entwicklern und anderen Bürgern, selbst mit offenen Daten aktiv und innovativ zu werden.

Programm

Freitag, 3. Juni 2016, 15.00–18.15 Uhr

Änderungen vorbehalten. Alle Workshops sind kostenlos.

Workshops
  Track I Track II
15.00–16.30 h
Sicherheit in Social Media
Workshop mit Thomas Bader. Die Teilnehmenden erfahren, welche Daten sie - vielfach ungewollt - in Facebook & Co. preisgeben und wie sie dies steuern können. Im Workshop bietet sich Gelegenheit, die eigenen Accounts auf Vordermann zu bringen.
Zur Anmeldung
Zürich verstehen, dank Daten
Workshop mit Matthias Mazenauer, Statistisches Amt des Kantons Zürich.
Zur Anmeldung
16.45–18.15 h
Crowdfunding am Beispiel von wemakeit
Sunita Maldonado (Crowdfunding-Platform wemakeit.com): «Bürgerprojekte finanzieren mit Crowdfunding»
Zur Anmeldung
 

Samstag, 4. Juni 2016, 10.00–17.30 Uhr

Referate von Min Li Marti, Alice Kohli, Joshua Goldstein, Daniel Graf, Johannes Gees, Wolfgang Gründinger, Danny Buerkli und Stefan Oderbolz. Änderungen vorbehalten. Die Referate können auch einzeln besucht werden. Diese Tagung ist kostenlos. Zur Anmeldung

Die ganze Tagung kann am Samstag auch über unser Live-Streaming verfolgt werden: imNeuland - Live

Grosse Tagung
10.00–10.45 h Opening Keynote u.a. mit Danny Buerkli: «Müsste man Politik nicht wie ein Designer gestalten?»
10.45–11.30 h Min Li Marti: «Wie geht gute Politik fürs Internet?»
11.30–12.15 h Daniel Graf: «Was bringt uns die digitale direkte Demokratie?»
12.15–13.45 h Mittagspause
13.45–14.30 h Wolfgang Gründinger: «Wie retten wir die Zukunft vor der "Alte Säcke Politik"?»
14.30-15.15 h Johannes Gees: «Wie wird unmögliches möglich, wenn Bürgerprojekte sich plötzlich online finanzieren?»
15.15–15.30 h Pause
15.30–16.15 h Alice Kohli: «Verschlingt die Datenflut den Journalismus?»
16.15-17.00 h Stefan Oderbolz: «Können wir den Staat mit Daten nicht viel offener machen?»
17.00-17.45 h Closing Keynote u.a. mit Joshua Goldstein: «Was macht ein Departement für Bessere Technologie?»

Samstag, 4. Juni 2016, 10.30–16.30 Uhr

Änderungen vorbehalten. Alle Workshops sind kostenlos.

Workshops
  Track I Track II
10.30–12.00 h
Das Internet der Dinge bewegt Roboter
Workshop mit Marcel Bernet. Einen kleinen Roboter mit Hilfe eines Mikroprozessors zu steuern ist ganz einfach: Es braucht nur wenig Programmcode, um die elementaren Funktionen auszulösen. Alle Teilnehmenden bringen "ihrem" Roboter ein paar grundlegende Bewegungen bei.
Zur Anmeldung
Alte Säcke Politik vs. das Internet
Wolfgang Gründinger ist Zukunftslobbyist. Er ist Sprecher der Stiftung Generationengerechtigkeit, leitet das Forum Digitale Transformation beim deutschen Bundesverband Digitale Wirtschaft und ist Mitglied im Vorstand des SPD-Forums Netzpolitik. Ihn beschäftigen die grossen, langfristigen Veränderungen der digitalen Gesellschaft: was wird aus der Arbeit, der Bildung, den Renten?
Zur Anmeldung
13.15–14.45 h
Joshua Goldstein Dept. of Better Tech.
«Smarter and faster government interaction with forms that work»
J. Goldstein arbeitet als CEO des Department of better Technology mit einem kleinen Team in San Francisco und Washington an Produkten, die digitale Bürgerdienste nicht nur auf den neusten Stand der Technik bringen, sondern sie auch in Sachen Effizienz und Einfachheit auf das Niveau des Silicon Valley bringen.
Zur Anmeldung
Das Internet der Dinge erlebt die Welt
Workshop mit Marcel Bernet. Mittels Mikroprozessoren lässt sich die Welt um uns beobachten: Temperatur, Bewegungen, Helligkeit und vieles mehr können mittels Sensoren messen gemessen und aufgezeichnet werden. Alle Teilnehmenden stellen sich mit Hilfe von wenigen Zeilen Programmcode ihre Sicht der Welt zusammen.
Zur Anmeldung
15.00–16.30 h
Mehr Vielfalt für eine digitale Zukunft
Gerade einmal 13 Prozent Frauen arbeiten in der IT-Branche, obwohl 50 Prozent der Endbenutzer von digitalen Produkten und Services Frauen sind. Wir wissen, dass Diversität zu besseren Ergebnissen führt und deshalb wollen wir gemeinsam Ideen und Konzepte diskutieren und erarbeiten, um mehr Frauen für die IT-Branche zu begeistern. Am Ende des Workshops werden die Teilnehmer ein besseres Verständnis haben, wie Frauen im und ausserhalb des Arbeitsalltages unterstützt und gefördert werden können.
Workshop mit Marike Carstens und Angela Dannhorns. A. Dannhorns ist Vorstandsmitglied von WE SHAPE TECH und möchte ein Netzwerk schaffen, dass Frauen in der IT-Branche fördert. Sie ist zudem Senior Interaction Designer bei der Zürcher Web-Agentur Ginetta.
Zur Anmeldung
Grafik-Programmiersprache Processing
Einblick in die am M.I.T. entwickelte Grafik-Programmiersprache «Processing». Es werden praktische Beispiele erarbeitet zu den Themen Generative Gestaltung und Interaktivität mit Video-Input und Musik.
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